Gestalttage

Die Gestalttage sind die jährliche Fachtagung der Fachsektion Integrative Gestalttherapie.

Sie finden abwechselnd in verschiedenen Bundesländern statt.


Folder Gestalttage 2019

Gestalttage 2019 in Graz

BERÜHREN UND BERÜHRT WERDEN

25. bis 26.1.2019.

Steiermarkhof, Ekkehard-Hauer-Straße 33, 8052 Graz

zur Anmeldung

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Programm 

Freitag, 25. Jänner 2019

12:30-15:20 PRE-WORKSHOPS
15:00-16:00 ANMELDUNG
16:00-16:15 ERÖFFNUNG
16:15-17:15 UTE GAHLINGS: Leib und Geschlechtsleib in phänomenologischer Erkundung
17:15-17:45 PAUSE
17:45-18:45 JULIANNE APPEL-OPPER: Mit Gesten berühren: Heilsame Körperdialoge im interkörperlichen Feld
18:45 ABENDIMBISS
19:00 MITGLIEDERVERSAMMLUNG

Samstag, 26. Jänner 2019

9:00-9:30 TaKeTiNa - Rhythmus berührt
9:30-10:30 BERNHARD WEISER - Berührt sein durch Sprache
10:30-11:00 PAUSE
11:00-13:00 HELENA KALLNER: Bewegung – unsere erste Sprache. Eine Einführung in die somatische/körperorientierte  Entwicklungspsychotherapie. (In englischer Sprache mit deutscher Übersetzung)
13:00-14:30 MITTAGSPAUSE
14:30-17:30 WORKSHOPS
17:45-18:15 GEMEINSAMER AUSTAUSCH
Ab 19:00 FEST: Begrüßung der neuen KandidatInnen und Würdigung der neu graduierten KollegInnen. Musik: Birgit Kopmajer mit Band

Pre-Workshops

Wissenschaft und Forschung in der psychotherapeutischen Praxis
Wissenschaftlicher Gegenstand der Psychotherapieforschung ist menschliches Erleben und Verhalten. In Abgrenzung zu den etablierten Methoden der experimentellen Psychologie und der biologischen Psychiatrie geht es in unserem Bereich um die Untersuchung bewusster oder unbewusster Zielorientierung in Individuen und/oder Systemen. Es geht um systematische Erfassung von Abläufen in der Psychotherapie einer individuellen Person.

INGEBORG NETZER: Forschungslust beim Schreiben der Masterthese
Viele PsychotherapeutInnen verstehen sich nicht als WissenschaftlerInnen oder ForscherInnen. Systematisch zu reflektieren und zu forschen ist jedoch hilfreich für die therapeutische Praxis und kann sogar Spaß machen. In diesem Workshop wird es um Fragen und Anregungen rund um die Masterthese gehen. Schreiben ist oft ein einsamer Prozess, regelmäßiger Austausch und Forschungs– kooperationen können die Arbeit erleichtern und befruchten. Deshalb soll auch Gelegenheit geboten werden, sich hierfür zu vernetzen.
 
CHRISTINA GOLLNER, PETRA KLAMPFL: Forschungslust im Praxisalltag
Es wird von einem humanistischen Menschenbild ausgegangen. Wir wollen psychotherapeutischen PraktikerInnen die Möglichkeit bieten, ihre Arbeit als Forschungstätigkeit zu verstehen und gemeinsam Parameter erarbeiten, welche die Wissenschaftlichkeit begründet bestätigen.
Wesentlich ist, dass die Psychotherapieforschung nicht thesenbestätigend sondern thesensuchend angelegt ist. Im Sinne des gemeinsamen Suchens von uns PsychotherapeutInnen nach geforderter Wissenschaftlichkeit gehen wir den Möglichkeiten nach, Ansätze und Methoden zu finden, die diesem Anspruch gerecht werden. Wir wollen praxisrelevante, teilweise bereits erprobte Zugänge vermitteln.
Aufgrund der Tatsache, dass Psychotherapieforschung zunehmend an Bedeutung gewinnt und auch gefordert wird, laden wir sehr herzlich zur zahlreichen Anmeldung zu den kostenlosen Workshops ein. Wir freuen uns über die großzügige Kostenübernahme durch die Fachsektion.
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Vorträge

Ute Gahlings: Leib und Geschlechtsleib in phänomenologischer Erkundung
Der Vortrag handelt vom spürbaren Leib im Unterschied zum dinghaft zugänglichen Körper und erkundet die Komplexität leiblicher Dispositionen, Prozesse, Strukturen und Topographien, auch in geschlechtsspezifischer Differenzierung. Im Bemühen um Aufdeckung der Phänomene unwillkürlicher Lebenserfahrung geht es um ein erweitertes Verständnis von Subjektivität, das mit Blick auf die Herausforderungen an gelingendes Leben in der heutigen Zeit auch für die Ethik und Lebenskunst neue Fragen aufwirft.

Julianne Appel-Opper: Mit Gesten berühren: Heilsame Körperdialoge im interkörperlichen Feld
Im körperlichen Dazwischen beeindrucken TherapeutIn und KlientIn einander. Die Blicke, Gesten, Rhythmen, Melodien und Kleinstbewegungen sprechen unmittelbar und gegenseitig körperlich an. Aber wie können solche interkörperlichen Kommunikationen weiter erkundet und einer psychotherapeutischen Bearbeitung zugänglich werden?
An dieser Frage hat die Vortragende über viele Jahre praktisch und theoretisch gearbeitet und eine therapeutische Arbeitsweise entwickelt, mit der die TherapeutIn ihre Resonanzen und Impulse dem Klienten zur Verfügung stellt, ganz ohne direkte Körperberührung.
Der Vortrag bietet eine Einführung in solche impliziten und expliziten Körperdialoge anhand von Konzepten aus der Dialogischen Gestaltpsychotherapie, der Relationalen Psychoanalyse, der Traumaforschung sowie am Beispiel klinischer Sequenzen. Die Entwicklungs- und die Beziehungsperspektiven, Potentiale, Voraussetzungen und Grenzen dieser Arbeitsweise  werden zur Diskussion gestellt.

Bernhard Weiser: Berührt Sein durch Sprache
Wie ist es möglich, dass Worte berühren, entspannen, verletzen können? Dieser Frage wird auf einem Streifzug nachgegangen, der bei den frühesten (pränatalen) Berührungserfahrungen beginnt, die Qualitäten der frühen Eltern-Kind-Interaktionen aufgreift und dann in die Spracheinführung mündet. Mittels der Theorie von A. Lorenzer (Sprachzerstörung und Rekonstruktion) wird gezeigt, wie die inneren Niederschläge der frühen Interaktionserfahrungen sich in Sprachsymbolen abbilden und deren emotionalen Qualitäten abrufbar bleiben oder eben nicht, wie im Falle von Traumatisierungen. Unterschiedliche Qualitäten von Sprache und nonverbalem Ausdruck werden anhand der Symboltheorie von S. Langer deutlich gemacht. Der Streifzug endet mit S. Porges Polyvagal-Theorie bei den Neurowissenschaften und zeigt abschließend Konsequenzen für Lebensgestaltung und Therapie.

Helena Kallner: Bewegung – unsere erste Sprache
Eine Einführung in die somatische /körperorientierte  Entwicklungspsychotherapie
Durch Bewegung erfahren wir uns zunächst selbst, andere, die Welt und uns als Teil dieser Welt. Die tatsächliche Dynamik eines Ereignisses ist primär kinästhetisch und kann nicht immer auf ein Wort oder eine Reihe von Wörtern reduziert werden.  Das Bewegungsrepertoire, das sich früh im Leben entwickelt, ist eine Sprache die unsere dringendsten Wünsche, Intentionen und Emotionen vermittelt. Diese grundsätzlichen Bewegungsmuster, die zunächst zwischen dem Baby und der Aufsichtsperson erworben werden, sind während des gesamten Erwachsenenlebens das taktische Herzstück der alltäglichen Erfahrungen.
Dieser Vortrag soll eine Einführung in die somatische / körperorientierte Entwicklungspsychotherapie geben, ein beziehungs- und bewegungsorientierter  Zugang der Psychotherapie innerhalb der Gestalttherapie. Ein umfassendes System der phänomenologischen Analyse, gestattet dem/der TherapeutIn, im Rahmen der somatischen / körperorientierten  Entwicklungspsychotherapie, die PatientInnen mittels Bewegungsexperimenten zu diagnostizieren und zu behandeln.
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Workshops

Julianne Appel-Opper: Mit Gesten/Kleinstbewegungen aus sicherer Entfernung berühren: Heilsame Körperdialoge im interkörperlichen Feld
Der Workshop bietet Gelegenheit, Körperdialoge näher zu erkunden und zu erfahren. Übungen zu einer Sensibilisierung für solche interkörperlichen Prozesse werden vorgestellt und mit relevanten Begriffen und Metaphern verknüpft. Ein Verständnis von interkörperlichen Interventionen/ Experimenten wird anhand von Szenen aus dem psychotherapeutischen Kontext weiter vertieft.

Ute Gahlings: Phänomenologie der weiblichen Leiberfahrungen
In dem Workshop setzen wir uns intensiv mit den Leibesinseln des weiblichen Geschlechtsleibes und mit einzelnen weiblichen Leiberfahrungen auseinander. Wir versuchen auch Umbruchphasen, wie z.B. Brustwachstum, erstes Menstruieren, Schwangersein, Gebären, Stillen und Altern im Kontext von Körper, Leib, Biographie und Diskurs zu verstehen. Dabei fragen wir nach der Bedeutung der Leiblichkeit für die Selbstsorge und die Fürsorge im Horizont von Unverfügbarkeit und freiem Entwurf.

Helena Kallner: Bewegung – unsere erste Sprache. Von der Praxis zur Theorie.
(Workshop wird in englischer Sprache abgehalten)
Dieser praktisch orientierte Workshop baut auf dem Vortrag über somatische / körperorientierte Entwicklungspsychotherapie auf. Das Hauptthema ist die Situation in der wir leben und wie wir diese durch unsere Sinne, direkt und ästhetisch wahrnehmen. Die TeilnehmerInnen werden erfahren welche Bewegungsmuster Teil ihrer jetzigen Erfahrungen sind, wie unbewusst sie sich dieser primären Bewegungsmuster sind und wie sehr diese doch das tägliche Leben  beeinflussen. Wir werden uns mit den Qualitäten des Kontakts, die wir kinästhetisch erfahren,  auseinandersetzen und damit, welche Informationen wir über uns selbst und andere daraus ableiten.

Elisabeth Löwenstein: Upledger CranioSacral Therapie®
Diese Form der Körpertherapie findet Anwendung bei Säuglingen, Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Der Workshop gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Upledger CranioSacral Therapie® und in ein praktisches Experimentieren mit Berührung und Kontakt.

Eva Pucher-Urdl: Berührung in Bindung
Aus körperpsychotherapeutischer Sicht bedeutet berühren mit Empathie in Kontakt gehen. Zwei Seelen begegnen sich und in dauernder Rückversicherung durch Mimik und Gestik findet Berührung in Bindung statt.
Nach einer kurzen theoretischen Grundlage werden wir auch von den existierenden stärkenden, stützenden, nährenden und Blockaden lösenden Berührungen einen Teil ausprobieren.

Christine Sagmeister und Milena Gartler: TaKeTiNa – Rhythmus berührt
Häufig steht die Angst, Fehler zu machen und sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu zeigen, dem Wunsch nach tiefen, berührenden Begegnungen im Weg. Wir begeben uns in diesem Workshop mit Schritten, Stimme und Klatschen gemeinsam in ein rhythmisch-musikalisches Feld. Dabei ist das Wechselspiel zwischen Im-Rhythmus-Sein und Aus-dem-Rhythmus-Fallen wesentlicher Teil des Prozesses. Dadurch löst sich allmählich die Angst, Fehler zu machen, auf und es wird leichter möglich sich zu zeigen und anzunehmen wie man ist. So öffnet sich der Weg zu erfüllender, berührender Begegnung.

Bernhard Weiser: Berührt sein diesseits und jenseits von Sprache
Im Workshop wird den Themen des theorieorientierten Vortags erfahrungs- und reflexionsorientiert nachgegangen. In bewegenden Übungen und Experimenten knüpfen wir an (frühe) Erfahrungen der Berührung an, lassen uns ein auf die berührende Wirkung von Sprache und nichtsprachlicher Symbolik und erforschen im Hinblick auf den Einsatz in der Therapie, welche inneren und äußeren Berührungen unser eigenes Social Engagement System (Porges) stärken.
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GESTALTTAGE 2018 zum Nachschauen und Nachhören:

SEXUALITÄT. MACHT. GESCHLECHTER.

Die Überflutung unseres Sehsinns und unserer Vorstellung mit ­sexuellen Bildern lässt den Eindruck entstehen, als wäre das Sexuelle zwar omnipräsent, doch seines Geheimnisses und seiner Macht beraubt – ausschließlich „schön und ­ekstatisch und überhaupt nichts ‚­Dreckiges‘“ (Perls, Hefferline, Goodman; 1951) – und als hätte uns die Sexuelle Revolution ’68 vom Rätsel des Begehrens befreit.
Diese Tagung unternimmt den Versuch der Annäherung an das Wesen und die Widersprüchlichkeit des Themas vor dem Hintergrund ­individueller und gesellschaftlicher Erfahrung und ihrer ­therapeutischen Relevanz.






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Vortrag WOLFGANG TILL

Erotik und Sexualität in Übertragung und Gegenübertragung

Erotik und Sexualität sind zentrale Bereiche (zwischen-)menschlichen Lebens und finden daher in der therapeutischen Beziehung, in Wünschen und Phantasien von KlientInnen und TherapeutInnen, also in Übertragungen und Gegenübertragungen, ihren Niederschlag.
Anhand theoretischer Überlegungen und von Fallbeispielen werden folgende Aspekte diskutiert: Tabuisierung dieser Phänomene, Ent­gleisung und missbräuch­licher Umgang, ­konstruktive Nutzung für die therapeutische Arbeit, Funktion sexueller/erotischer Über­tragungen abhängig von Persönlichkeit und Strukturniveau, Bedeutung einer anders- oder gleichgeschlechtlichen KlientIn-TherapeutIn-Dyade.
Der Vortrag soll zu Nachdenken und offenem Austausch über dieses „heikle“ Thema anregen.





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Vortrag HANNA HACKER       

Feministische Politik zu Sexualitäten

Feminismus hat von seinen Bewegungs­ anfängen an Sexualitäten thematisiert, sexuelle Normen attackiert, vielfältige Kon­troversen zu diesem Politikfeld ausgetragen und richtungsweisende Theorieansätze dazu erarbeitet. Nach einem kurzen historischen Rückblick konzentriert sich mein Vortrag auf rezente (queer- und trans*-)feministische Entwicklungen: Was bedeutet „Sex/Gender“, „Begehren“, „sexuelle Identifikation“ heute?

Nicht-normative Selbstverständnisse drücken sich in Kürzeln wie FLIT, QINT, QTPoC aus: Was ist damit gemeint, und mit welchen ­feministischen Theorien und Aktivismen ­verbinden sie sich?





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Vortrag SONJA DÜRING   

Sexualität und Sexualisierung - zur ­Psychodynamik von pornografischen Süchten

Die Sexualisierung, d.h. die Nutzung der Sexualität zu Zwecken der Abwehr, eignet sich, wie stoffgebundene Drogen auch, Unlustgefühle in Lustgefühle umzuwandeln, Leere zu füllen, Ängste scheinbar zu bewältigen. Sie ist Bestandteil unserer Sexualität und bestimmt deren Psychodynamik.

Vor diesem Hintergrund soll u.a. der steigende, und z.T. suchtartige Pornografiekonsum von Männern betrachtet werden und die Frage gestreift werden, welche Auswirkungen dies auf die Paarbeziehungen hat.

www.zap-nord.de





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Vortrag ILSE SEIFERT    

Gestalttherapie und Sexualität – naht das Ende des Dornröschenschlafs?

In der Theorie der Gestalttherapie kommt das Thema Sexualität nicht vor, eigene Modelle für gestalttherapeutisches Handeln in Bezug auf Sexualität fehlen. Wie ist das zu erklären?

Was spricht dafür, diesem Dornröschenschlaf ein Ende zu bereiten? Und wie könnte gelingendes gestalttherapeutisches Handeln aussehen? Anhand dieser Fragen möchte der Vortrag sich auf eine Spurensuche begeben.

www.seifertgestalttherapie.de



Nachlese Workshop 2

Martin Geiger: Sexualität in der KlientInnen-Begegnung


Workshop Martin Geiger (Psychodramatiker)

KlientInnen wollen in ihrer Sexualität (und der Not der Einschränkung) wahrgenommen werden. Vom Rollenrepertoire als PsychotherapeutIn hängt das Gelingen dieses Vorhabens entscheidend ab. Der Workshop beschäftigt sich mit der Behandlung sexueller Störungen (Fallbeispiele) und soll zur Weiterentwicklung der Begegnungsqualität mit unseren KlientInnen anregen.


Nur für Mitglieder:



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