sieha auch zu diesem Thema den Fachartikel:

Ursula Grillmeier-Rehder, Helmut Jedliczka, Gerhard Stemberger, 2008:
"Sind Gestalttheoretische Psychotherapie und Integrative Gestalttherapie wirksam"?


Wirkfaktoren

Zum Thema  "Wirkt – und wie wirkt Integrative Gestalttherapie?" wurde eine österreichweite Studie an ehemaligen PatientInnen durchgeführt - Evaluationsstudie zur Integrativen Gestalttherapie:

Vollständige Studie zum Download (pdf)


Wirkung und Wirkfaktoren

Ausgewählte Ergebnisse von Dr. Brigitte Schigl mit Unterstützung der Fachsektion f. Integrative Gestalttherapie im ÖAGG.

1. Kurzzusammenfassung und wissenschaftlicher Hintergrund der Studie:

Das Design der Studie skizziert eine summative Evaluationsarbeit, bei der gesamthaft die Wirkung und Wirksamkeit von Integrativer Gestalttherapie durch eine katamnestische Befragung von KlientInnen gemessen wurde. Eine solche Untersuchung liegt bislang für die Gestalttherapie nicht vor. Sie stellt unserer Recherche nach auch die von der Stichprobe her größte Studie dar, die je an KlientInnen der Gestalttherapie unter Praxis-Bedingungen durchgeführt wurde. Wir entwickelten dazu einen eigenen Fragebogen mit 66 Fragen. Deren Ergebnisse bieten eine Vielzahl von Überblicks- und Detailergebnissen zur Rezeption von Psychotherapie durch ihre KonsumentInnen: Zum Zugang zur Psychotherapie, zum Setting, zu den KlientInnen- und TherapeutInnenvariablen, zum therapeutischen Prozeß und zur therapeutischen Beziehung sowie zur subjektiven Zufriedenheit und den von den KlientInnen wahrgenommen Wirkung/Wirkfaktoren der Therapie. Der Fragebogen wurde mithilfe von 75 PsychotherapeutInnen der Fachsektion für Integrative Gestalttherapie österreichweit an 2066 ehemalige KlientInnen versandt. Diese hatten in den letzten 5 Jahren für zumindest 5 Sitzungen (also auch Abbrüche oder weniger geglückte Therapien) Gestalttherapie in Anspruch genommen. Die Behandlung lag bei den KlientInnen zwischen einem halben und fünf Jahren zurück. Die Daten aus den 431 rücklaufenden Fragebögen wurden bei den geschlossenen Fragen deskriptiv statistisch nach Häufigkeiten und bei den offenen Fragen qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet sodann beide Datenarten soweit sinnvoll, mittels statistischer Instrumente verknüpft.

Die Studie soll die Ergebnisqualität der psychotherapeutischen Behandlung mit Integrativer Gestalttherapie aus Sicht der KlientInnen abbilden. Diese Ergebnisqualität wird dabei auf verschiedenen Ebenen gemessen:

- In Bezug auf die generelle Zufriedenheit der KlientInnen ihre Ziele und Erwartungen in der Gestalttherapie

- In Bezug auf die von den KlientInnen frei formulierten Dimensionen der (Veränderung in ihrem Leben durch die)

Psychotherapie und die globale Verbesserung in der Befindlichkeit.

- In Bezug auf die Differenz der (retrospektiven) Angaben der KlientInnen zum Status post im Vergleich zum Status prae

bezüglich verschiedener Lebensbereiche;

- In Bezug auf Symptomreduktion, Rückfälle und Symptomverschiebungen

- In Bezug auf Life-events und neuerliche Inanspruchnahme professioneller Hilfe seit Beendigung der Gestalttherapie


In unserer Studie wurde der Kontext der KlientInnen, die in Gestaltpsychotherapie kommen und behandelt werden, soweit als möglich miterhoben und mitberücksichtigt und die Veränderung durch Psychotherapie auf den verschiedenen Ebenen und Dimensionen ihrer Auswirkung im Leben eines/er Klient/in dargestellt.


2. Zusammfassung der wichtigsten Ergebnisse:

Von den demografischen Angaben her bietet sich ein für PsychotherapiekonsumentInnen repräsentatives Bild: Es wurden insgesamt 431 Fragebögen zur Auswertung herangezogen. Das Alter der KlientInnen, die an der Befragung teilnahmen, reichte von 18 Jahren bis 76 Jahren. Die Alterskurve der Antwortenden erreicht ihre höchste Ausprägung in der Alterskategorie von 30 bis 40 Jahren (ca. 40% der Gesamtstichprobe). Die 20 - 30`Jährigen sowie die 41- 50 Jährigen machen je 20% der Gesamtstichprobe aus.

Die antwortenden KlientInnen sind zu zwei Drittel Frauen, haben zu 75 % Maturaniveau und sind zu 71% im Berufsleben stehend und wurden fast zur Gänze in Privatpraxen behandelt.

Die angegebenen Beschwerden liegen hauptsächlich im neurotischen Bereich mit depressiven und ängstlichen Verstimmungen, Paniksyndrom, sozialen und psychosomatischen Problemen sowie Substanzmißbrauch.


Es zeigt sich eine generell sehr hohe Zufriedenheit mit der Gestalttherapie, was im Sinne von geglückten/wirksamen Therapien interpretierbar ist: 87% der KlientInnen stufen sich als völlig bis recht zufrieden ein, nur 1,4% sind sehr, keine/r völlig unzufrieden!(Interessant ist, daß KlientInnen, die angeben ihre Gestalttherapie vor ihrem sozialen Umfeld geheimgehalten zu haben, signifikant weniger häufig zufrieden sind.) 63% der KlientInnen gaben an, ihre anfänglichen Ziele in der Gestalttherapie zur Gänze oder zum größten Teil erreicht zu haben, 25% teilweise, nur 2,5% der Antwortenden gar nicht. Die Bereiche der therapiebedingten Veränderungen (in offenen Fragen erhoben) zeigen die mehrdimensionale Wahrnehmung der KlientInnen: Auf die Frage nach Unterstützung durch das Umfeld zeigt sich, daß Veränderungen therapieimmanent sind und nicht durch unterschiedliche äußere Unterstützungen bei zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen bewirkt. Eine Heilung ihrer Störungen geht mit Änderungen in der gesamten Persönlichkeit, Verbesserungen in den sozialen Beziehungen, einer Verbesserung ihres Lebens- und Vitalgefühls und Verhaltensänderungen einher. Im Vergleich von retrospektiv erhobenen Status prae und Status post bildet sich eine signifikante Verbesserung in allen acht erhobenen Lebensbereichen ab. Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen der mit ihrer Gestalttherapie zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen konnten hier nicht festgestellt werden. Alle Signifikanzniveaus lagen oberhalb von 25%, Im Umgang mit Rückfällen, die bei etwas mehr als der Hälfte aller KlientInnen passieren können, zeigen sich die Befragten kreativ und geben an, in der Therapie Erarbeitetes einsetzen zu können. Die Angaben werden auch durch die Erhebung von life events unterstützt: mit ihrer Psychotherapie zufriedene KlientInnen können ihre Lebensumstände signifikant öfter beruflich oder in Bezug auf ihre Wohnsituation verbessern und haben häufiger Kinder bekommen als die mit der Therapie unzufriedenen KlientInnen. Bezüglich der therapeutisch hilfreichen Wirkfaktoren dominieren in den offenen Antworten Aspekte der Beziehung zu ihren TherapeutInnen bzw. deren Verhalten aus Sicht der KlientInnen. An zweiter Stelle der Nennungen wirksamer Elemente werden interssanterweise als spezifische Wirkfaktoren interpretierbare integrativ-gestalttherapeutische Methoden und Techniken genannt. Die Zufriedenheit mit Wirksamkeit der Gestaltherapie korreliert signifikant mit den Aspekten der therapeutischen Beziehung.


Zusammenfassung: weitere Details


Vollständige Studie zum Download (pdf)

Dr. Brigitte Schigl (Wien, Krems), Klinische- und Gesundheitspsychologin, Integrative Gestalttherapeutin (ÖAGG), Supervisorin, in freier Praxis, Univ. Lektorin, (Universität Graz, Donauuniversität), Leitung und Durchführung von wissenschaftlichen Forschungsprojekten (Psychotherapie,-Evaluationsforschung).

Kontakt: brigitte.schigl@aon.at